Südhessen-Talk

Oliver Wedel, Notar und Fachanwalt für Erbrecht

Unternehmensnachfolge - Strategische Aspekte

Oliver Wedel, Notar und Fachanwalt für Erbrecht, Kanzlei Wedel Schmelzer, Ginsheim-Gustavsburg, im Gespräch mit unserem Netzwerk.

Herr Wedel, wie wichtig ist die strategische Nachfolgeplanung für den Mittelstand?

Sehr wichtig! Gerade in der jetzigen Situation und der ungewissen Aussicht, wann wieder Normalität ins Wirtschaftsleben einkehren wird. Die Nachfolgeplanung wird aber auch generell leider von vielen Unternehmerinnen und Unternehmern immer noch unterschätzt. Wir haben in Deutschland rund 3,4 Millionen Familienunternehmen, davon müssen etwa 100.000 Unternehmen bis 2022 ihre Nachfolgefrage klären. Die strategische, rechtliche Begleitung unter Hinzuziehung des steuerlichen Beraters bei Nachfolgeprojekten ist daher in unserer Kanzlei ein wichtiger Leistungsbaustein.

Was sind die Erfolgsfaktoren für eine gelungene Unternehmensnachfolge?

Zunächst ist zu klären, ob eine Nachfolge innerhalb der Familie oder über externe Lösungen erfolgen soll. Wenn Kinder oder andere Familienangehörige da sind, müssen die auch nachfolgen wollen und können. Wichtig ist daher ein möglichst früher Beginn der Nachfolgesuche und ein offener und ehrlicher Umgang damit in der Familie. Die eigene Nachfolge frühzeitig zu initiieren, fällt vielen Unternehmerinnen und Unternehmern schwer. Das Thema ist häufig stark emotional besetzt. Das Loslassen fällt schwer. Denn es geht immer auch um das eigene Lebenswerk.

Wann sollte denn die Nachfolgeplanung idealerweise beginnen?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Manche sind auch noch mit 60 fit und vital. Von der Konzeption bis zur Übertragung können aber schon drei bis zehn Jahre vergehen. Die konkrete operative Überleitung sollte mindestens 12 Monate vorher beginnen. Daher ist ein Beginn der Nachfolgeplanung, die immer auch ein einmaliges unternehmerisches Projekt ist, im Alter von rund 50 Jahren zu empfehlen. Dann ist noch genügend Zeit, um auch mögliche erbrechtliche und steuerliche Gestaltungsspielräume auszunutzen.

Welche strategischen Nachfolgeoptionen gibt es bei Familienlösungen

Generell gibt es zwei Modelle. Beim sogenannten Kronprinzenmodell wird nur eine Person aus dem Familienkreis Nachfolgerin oder Nachfolger. Beim Textilhersteller Trigema aus Baden-Württemberg zum Beispiel verfolgt der Inhaber Wolfgang Grupp dieses Prinzip. Er lässt seine beiden Kinder aktuell in führenden Positionen im Unternehmen in einer Art Wettbewerb arbeiten und entscheidet sich dann in nächster Zeit für die aus seiner Sicht beste Lösung. Die nicht zum Zuge kommenden Familienangehörigen werden dann finanziell anderweitig entschädigt. Beim sogenannten Stammesprinzip werden dagegen alle relevanten Familienzweige sinnvoll eingebunden. Welches Nachfolgemodell passt, ist jedoch immer firmenspezifisch zu entscheiden und muss in den jeweiligen Gesellschaftsverträgen auch geregelt werden. Es gibt auch viele Lösungen in den Zwischenbereichen. Auch Stiftungen können eine Wahl sein.

Unabhängig vom Nachfolgemodell generell wichtig ist die rechtzeitige Einarbeitung der familieninternen Nachfolger, aus fachlicher Sicht, aber auch um Vertrauen bei Mitarbeitern und Stakeholdern aufzubauen.

Was ist, wenn es in der Familie keine Nachfolgelösung gibt?

Etwa in 50 Prozent aller Nachfolgefälle gibt es externe Lösungen. So können geeignete Führungskräfte aus dem Unternehmen, die auch das Vertrauen der Firmeninhaber genießen, in einem Management-Buy-Out (MBO) oder Externe in einem Management-Buy-In (MBI) die Nachfolge antreten. Ist auch das nicht möglich, bietet sich der Verkauf des Unternehmens an Wettbewerber oder Investoren an.

Welche Empfehlungen aus Ihrer Beratungspraxis können Sie zum Abschluss geben?

In unseren Nachfolgemandanten hat sich immer ein planvolles Ausscheiden bewährt. Senioren müssen sich eine neue Lebensaufgabe suchen und ihre Nachfolger/in frühzeitig machen lassen. Wer sich nicht vollständig aus dem Geschäft verabschieden will, kann dem Familienunternehmen z. B. noch als Beirat verbunden bleiben. Wichtig ist auch, sich früh mit der erbrechtlichen Gestaltung der Nachfolge und auch der Vertretungsregelungen im Falle einer Erkrankung im Rahmen einer Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung zu beschäftigen, gerade in der Corona-Krise. Damit wird beim plötzlichen Tod oder bei schwerer Krankheit eine unvorbereitete Notsituation vermieden. Dazu gehört auch ein Notfallordner, woraus alle wichtigen Dinge zum Fortführen des Unternehmens hervorgehen.

Wir bedanken uns für das Gespräch Herr Wedel.

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